Von Havanna nach Viñales

Die erste Etappe unserer Rundreise führt uns nach Viñales. Immer an der Küste entlang und dann nach links abbiegen, suggeriert die Karte. Aber erst mal aus Havanna heraus finden … Der Malecón – die Uferpromenade – ist in weiten Teilen gesperrt. Es ist kühl und sehr windig und die Wellen schwappen in hohem Bogen auf die Straße.

Die Straßen sind so lala. Das Verhältnis von Asphalt zu Löchern schwankt stark. Manchmal überwiegt das eine, dann das andere … Die Straßen sind ausgeschildert, wenn auch teilweise sehr verblichen und wenig leserlich. Prompt verpassen wir eine Abfahrt und werden nach einigen Kilometern wegen des Straßenzustandes stutzig. Es überwiegen die Anzahl der Löcher und die Flecken intakten Asphalts werden weniger. Also umkehren – das hier kann nicht richtig sein. Und richtig, im letzten Ort steht ein ausgeblichenes Schild mit einem Pfeil nach rechts – allerdings kaum zu erkennen.

Der stetige Warnton des Autos, dass man sich anschnallen soll, nervt. Insbesondere in Situationen, wenn es ein wenig schwierig wird. Wir passieren Orte, die mich stark an die Villages eines Italo-Western erinnern. Hier der Saloon, dort das Office des Sheriffs und hier hat Doc Holiday sein Haus. Es ist ein bisschen moderner und die Straße ist geteert. Aber die Pferde stehen, wie im Western, mit lose über den Balken geschlagenen Leinen vor der Kneipe. Und Mary, die Dorfschönheit, winkt verlockend aus einem der Häuschen …

In Viñales finden wir schnell unser Casa Particulares. Hier reihen sich Häuschen an Häuschen und alle vermieten ein oder mehrere Zimmer an Touristen. Unser Raum zeichnet sich durch eine Anhäufung von Betten im Ambiente des gehobenen amerikanischen Lifestyle der 60er Jahre aus. Zwei Doppelbetten und ein Zustellbett. Also für eine Großfamilie gedacht. Wir nehmen das Angebot an, im Casa zu Abend zu essen, für 12 CUC pro Person. Der Hausherr preist die Kochkünste seiner Frau. Wir lassen uns überraschen.

Ein Spaziergang durch den Ort zeichnet Vinales als einen echten Touristenmagneten aus. Es reihen sich Bars an Cafés und Kneipen. Vom Italiener bis zur Tappasbar – hier findet man alles. In der Agentur, die sich auf der Hauptstraße befindet, checken wir kurz das Programm für morgen.

Ein kleines Nickerchen vor dem Abendessen lässt uns fast verschlafen, denn wir haben einen Stromausfall. Ganz Viñales liegt in tiefer Finsternis. Wir werden vom Hausherren geweckt – es ist sieben Uhr und das Essen ist fertig. Es wird ein Candlelieght-Dinner. Die Dame des Hauses hat sich ins Zeug gelegt und fährt Suppe und eine Vielzahl von Beilagen auf. Wurden wir noch vor einigen Stunden gefragt, ob wir Chicken oder Pork wünschen, entpuppte sich das bestellte Chicken dann doch als Pork. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nun, wir sind satt geworden und machen noch einen kleinen Bummel in die Stadt auf der Suche nach einem netten Lokal für einen Cuba Libre, einem Caipirinha oder einem anderen Rum-Getränk und werden fündig. Beschwingt gehen wir nach Hause und sehen dem nächsten Tag gespannt entgegen.

Home Interieur Design auf kubanisch

Frühstück um 8 Uhr auf der ausgebauten und überdachten Terrasse des Hauses. Wir hatten keine Problem mit dem Aufstehen, da schon um 5:30 Uhr der Duft nach frischem Kaffee durchs Haus zog und uns hellwach machte. Ausserdem ist gerade im Garten des Hauses eine Großbaustelle zugange, denn auch der Sohn steigt jetzt groß ins Vermietungsgeschäft ein und das Casa wird um weitere Räumlichkeiten erweitert.

Jetzt ist es hell und wir nehmen bewusst Kenntnis vom Interieur. Nach amerikanischem Geschmack ist hier alles gestaltet. Vor einer grünen Wand stehen im gleichen Grün zwei Schaukelstühle. Diese sind offensichtlich ein Zeichen von Wohlstand und ein absolutes „must have“ für jeden Besitzer eines halbwegs repräsentablen Hauses auf Kuba. Die gegenüberliegende pinkrot gestrichene Wand setzt einen interessanten farblichen Kontrapunkt. Das künstliche Blumengesteck in der Mitte der Stühle auf einer Steele nimmt mit der Wahl der Blumen die Komplementärfarbe der gegenüberliegenden Wand auf. Hier hat man sich Gedanken gemacht über Einrichtung und Farbgebung. Auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde.

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde … Ach ja …??

Nun gut, wir treten pünktlich um 8:45 Uhr im Zentrum von Viñales unsere „Horseback-riding-tour“ an. Der Himmel hängt voller schwarzer Wolken und wir sind mal gespannt, ob wir patschnass oder trockenen Fußes wieder nach Hause kommen. Harald macht sich ein wenig Gedanken, ob er denn auch das Pferd einfangen wird, wenn man uns, mit einem Lasso bewaffnet, auf die Koppel führt. Wir haben relativ wenig Übung in solchen Dingen. Ich dagegen bin tiefenentspannt, da ich davon ausgehe, es wird irgendein stoischer Gaul sein, der, egal wer auf ihm sitzt, den Weg den er tagtäglich geht, auch heute wieder unbeirrbar zurücklegen wird. Da werden sicher keine Reitkünste oder Pferdeflüsterer-Fähigkeiten gefragt sein.

Wir werden beide überrascht. Ein kleiner Walk durch den Ort und wir finden unsere Pferde am Wegesrand bereits gesattelt und gestärkt vor. Jetzt nur keine Blöße zeigen, mit dem linken Fuß in den Steigbügel, die Hand an den Knauf des Sattels und hinaufschwingen. Wie lange ist das her, als ich das letzte Mal auf einem Pferd saß??? Uups, ich schweige lieber, so alt bin ich doch eigentlich noch gar nicht. Oder doch .. ??? Jedenfalls es klappt und ich glaube, dass ich eine gute Figur mache. (Haha …)

Rechts am Zügel ziehen – das Pferd sollte nach rechts gehen und umgekehrt. Die Zügel nach oben ziehen und Pferd bleibt stehen. So wird es jedenfalls kurz erklärt. Na ja, ganz so war es denn nicht. Wenn auch das Pferd mit dem zwar wohlklingenden Namen „Dorades“ (wer bitte nennt ein Pferd wie einen Fisch??) kein stoischer Gaul war, so ging er doch seinen eigenen Weg. Und vor allen Dingen, er war in der Rangordnung der Zweite der Gruppe. Das war klar. Egal wer vor uns war, er drängelte sich ohne Rücksicht auf Verluste an die zweite Stelle. Ab und an hatte er Lust auf mehr Tempo und fing an zu traben. Ohne Vorwarnung natürlich. Ich hielt mich fest und wacker im Sattel.

Vom Samen bis zur fertigen Zigarre

Nach einer Stunde erreichten wir eine Tabakfarm. Dort wurde uns ausführlich erklärt, wie es sich mit dem Tabak und den Zigarren so verhält. Wenn wir auch keine Raucher sind und auch die angebotene Zigarre verschmähten, so wissen wir nun genau, wie der Tabak angebaut und fermentiert wird, was die Qualitätsmerkmale einer guten Zigarre sind und wie sie gewickelt wird. Eine kleine Kaffeeexkursion rundete das Programm mit einer Einkehr und einem ordentlichen Schluck Rum ab.

Beschwingt bestiegen wir unser Pferd und ritten zurück. Für mich eine neue Erfahrung an die ich noch Tage später bei jedem Schritt und Tritt erinnert wurde. Der Muskelkater ließ grüßen. Wer hätte es gedacht, ein bisschen auf dem Pferd sitzen, soll sportlich sein?? Ja doch. Erstaunlich, was alles weh tun kann.

Die ersten Schritte nach dem Abstieg fühlten sich merkwürdig an. Jetzt war mir auch klar, warum John Wayne einen so merkwürdigen Gang hatte. Der Rückweg tut gut. Und  – wir hatten Glück, “…wenn Engel reisen …”, kein einziges Regentröpfchen hat uns überrascht. Das müssen wir auch erst lernen, dass Wetter hier nie so ist, wie es aussieht.

Höhlenforscher unter sich

So, der Nachmittag ist nun noch frei. Die Berge um Vinales zeichnen sich durch große Aushöhlungen aus, die hier eine echte Attraktion in Form von Höhlenbesichtigungen sind. Erst dachten wir der San Tomas Cave einen Besuch abzustatten, aber die Beschreibung von sieben (7!) Stockwerken rauf und runter gehen und teilweise kriechen zu müssen, schreckte uns dann doch ab. Nicht nach unserem Ausritt! Es gibt noch die Alternative für die Softies. Cave India überzeugt durch kurze Wege und einer Bootsfahrt durch die Höhle. Kurz und schmerzlos im wahrsten Sinne des Wortes verlief die Besichtigung. Beeindruckende Stalagtiten und Stalagniten kann man auf eigene Faust besichtigen. Die abschließende Bootsfahrt zeigt die Schönheiten der Höhle vom Wasser aus und bringt uns sicher wieder hinaus ans Tageslicht. Das Abendmahl verbringen wir gegenüber der Kirche bei kubanisch/italienischer Küche.

Mit der Reiseagentur “ERLEBE KUBA” hatten wir einen kompetenten Partner für unsere KUBA Reise an unserer Seite.

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