Sonnenaufgang – begleitet von den Gesängen der Muezzins steigt die Sonne langsam empor. Noch ist der Himmel schwarz und eine unzählige Anzahl von Sternen funkeln am Himmel. So gesehen hat die Wüste absolut ihre Reize. Sämtliche Hähne und Hühner stimmen in den Gesang ein. Es ist das allmorgendliche Konzert, das uns weckt.

Ich überlege, warum in aller Welt die Lautsprecher des Muezzins so krachend und scheppernd sind. Wahrscheinlich der gleiche Hersteller wie der, der die Lautsprecher in den Flugzeugen macht. Könnte es sein, dass die Wurzel des Übels des Islamismus eigentlich nur eine Verständigungsschwierigkeit ist? Die Menschen hören nur Genuschel und jeder interpretiert das für sich. Schon wird der Egoismus und damit auch der Terrorismus gefördert …

Wir stehen auf einem Campingplatz bei Skoura. Wir sind die einzigen Gäste. Nun ja – das Restaurant mit dem gelobten Couscous war zu und es war nicht einmal ersichtlich, ob dieses überhaupt vorhanden ist. Die laut Reiseführer liebevolle Anlage … – liebevoll liegt eben auch im Auge des Betrachters spendet wenig Schatten um so mehr Staub. Man hätte wohl auch in ein dazugehöriges Hotel gehen können, aber auch da war alles sehr, sehr einsam und verlassen. Ich frage nach, ob denn im Moment keine Saison wäre – Januar bis März sei hier Hochsaison. (Aber da ist doch noch ordentlich kalt??) Wie dem auch sei – wir bekommen frisches Brot für die stolze Summe von 2 Dirham (20 Cent) und frühstücken mit Genuss.

Die gestrige Tour vom Erg Chebbi hierher machten wir mit einem kleinen Umweg nach Taouz – dem Ende des Erg – dort endet die Straße im Nichts. Es gibt einen kleinen Ort und dann ist nicht erkennbar, dass es da tatsächlich noch einen Weg geben soll, der an der Algerischen Grenze Richtung Erg Chegaga verläuft. Aber da muss man auch nicht unbedingt entlang – wer weiß was das alles so rumlungert.

Touz - hier endet die Straße im Nichts.
Touz – hier endet die Straße im Nichts.
Kaum halten wir, schon kommt irgendein hilfsbereiter und geschäftstüchtiger Berber um seine Dienste anzubieten.

Wir fahren zurück und die Straße der Kasbahs Richtung Ouarzazate. Die in und außer Orts stehenden Festungen sind beachtlich – die Landschaft eher karg. Durch den Hohen Atlas führen uns kerzengerade Straßen. Die Städte sind jetzt nicht so sehenswert – bis auf Tinerhir.

Hier kannst du „Think Big“ lernen. Vierspurige Prachtstraße – mit einer Straßenbeleuchtung die wahrscheinlich taghell leuchtet – führen in die Stadt hinein. Angrenzend viele hohe Mauern, die exorbitante Grundstücke einzäunen. Und wenn man hineinsieht, dann steht da entweder gar nichts oder ein winziges Häuschen oder Türmchen. Ganze Areale sind mit Straßenlaternen versehen aber sonst steht da nichts – NICHTS. Man hat sich wahrscheinlich gedacht – oh wir werden mal eine große Stadt, da legen wir das alles mal ein bisschen großzügig an. Und wahrscheinlich war auch ein Etat für Straßenlaternen frei. Und dabei sind die nicht mal in der EU – wo man ja gerne Gelder für solche Bauaktionen verbrät.

Breite 4-spurige Straße führen in die Stadt hinein. Hier entsteht Großes!
Große, hohe Mauer und nichts dahinter …
Hier soll wahrscheinlich mal ein Wohnviertel entstehen - im Moment ist da aber nichts ...
Hier soll wahrscheinlich mal ein Wohnviertel entstehen – im Moment ist da aber nichts …

Der Erg Chegaga ist unser nächstes Ziel und wir peilen als Zwischenstation mal Zagora an. Eine Stadt am Fuße des Atlas bevor die Wüste beginnt. In vielen Serpentinen schlängeln wir uns auf 1700 mtr. hinauf. Das Gebirge ist karg und vegetationsarm, aber trotzdem beeindruckend. Der Straßenzustand bietet mal wieder alles – vom Flüsterbelag, über Flickwerk bis hin zur Geröll- oder Sandpiste. Entlang des Valée du Dráa fahren wir gen Südwesten. Ein Abstecher zur einer besonders schönen Kasbah beschert uns eine schöne Festung, aber im Anschluss auch eine vogelwilde Straße – ja, wir hätten umdrehen können – aber es ging ja eine Straße weiter und es kamen uns auch Autos entgegen. Und unser 4motion-drive kommt überall durch – hat der Händler gesagt.

Links ein grünes Tal mit zahlreichen Palmen und rechts die hohen Berge – das ist schon ein tolles Erlebnis. In Zagora besuchen wir natürlich das berühmte Schild auf dem steht, dass es von hier nur noch 52 Tage bis Timbuktu sind. Es steht nicht dabei – ob zu Fuß, Kamel, Rad oder Auto … Aber leider kann man da ja nicht hin. Mali ist zur Zeit nicht gerade das empfohlene Urlaubsgebiet. Obwohl wir doch so gerne mal nach Timbuktu wollten.

52 Tage bis nach Timbuktu
52 Tage bis nach Timbuktu

Es gibt noch einen sehr guten Espresso in der Stadt und dann suchen wir unseren Platz für die Nacht. Welche Überraschung – schattenspendende Palmen, saubere WC’s und Duschen mit warmem Wasser. Und weil der Boden doch ein bisschen staubig ist, legt man uns einen geflochtenen Teppich vor unseren Bulli. Das ist Service – und Abendessen will man uns auch kochen. Auch hier sind wir wieder die einzigen Gäste. Das Ganze läuft wieder auf Tajine mit Hühnchen hinaus – aber letztendlich kann man da auch gut mit leben.

Zitronenhuhn Tajine
Zitronenhuhn Tajine
Sonnengereifte Früchte als Dessert
Sonnengereifte Früchte als Dessert
Hier kocht der Chef persönlich
Hier kocht der Chef persönlich
Unser Bulli - ist er nicht niedlich?
Unser Bulli – ist er nicht niedlich?

Und morgen geht es dann weiter zum Erg Chegaga und zum Juden-Erg – dort soll es noch schönere Sanddünen geben. Lassen wir uns überraschen.

Die Route

     

     

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