Nach einer ausführliche „Befragung“ unserer diversen Reiseführer beschließen wir mal wieder auf einen Campingplatz zu gehen und fahren nach Gythio. Ein ganz akzeptabler Platz erwartet uns. Eigentlich heißt es, es sei der schönste Campingplatz weit und breit. Ok – ja es ist tatsächlich alles da und es ist auch relativ gepflegt. Aber halt immer ein bisschen „griechisch“. So mit präziser Bauweise und echter Schönheit hat man es nicht so. Da muss die Natur ihren Beitrag leisten. Dazu später mal mehr in dem Beitrag „Camping 2.0 – I have a dream“

Wir richten uns gemütlich ein mit Vordach! und Teppich! und ich beschließe auch Wäsche zu waschen. Was man hat, hat man … Es gibt zwei Waschmaschinen, die von früh bis spät laufen. Jeder stellt sich einen Wecker um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Und so kriege ich tatsächlich zwei Trommeln gewaschen.

Wir bleiben noch eine Nacht und genießen einen Tag in Ruhe.

Die Mani ruft … Hinter dem Campingplatz biegen wir in Richtung Süden ab. Große Hügel mit vielen verbrannten Bäumen stehen da. Das Feuer muss hier ganz schön gewütet haben. Das ist aber wohl schon einige Jahre her und es ziehen sich vielerorts Bewässerungsschläuche durch die Olivenhaine und sonstigen landwirtschaftlichen Flächen. Macht Sinn …

Auf jedem der Berge kann man die typischen Burgen entdecken. Hier baut jeder seine eigene Burg und auch heute noch ist der Baustil der neuerrichteten Häuser an dem traditionellen angepasst. Jedes Haus hat einen (Wehr)-Turm und der wird oben unregelmäßig abgeschlossen, damit man denkt, er wäre viel höher gewesen und nur durch ein Malheur sind einige Meter abgebrochen. Das maniotische Volk hatte einen streitbaren Geist – wen wundert es bei der Bauweise – und bestritten ihren Lebensunterhalt durch Sklaverei und Landaneignungen. Gegen Feinde von aussen hielten sie wie Pech und Schwefel zusammen, innerhalb jedoch war das Leben begleitet von Streit um Land und Blutfehden. Die Manioten sind ein Völkergemisch mit allen Talenten und Temperamenten, was vielleicht die Mentalität erklärt. Die Mani beginnt südlich der Stadt Kalamata und endet an der Spitze des Mittelfingers am Kap Tenaro.

Na gut, von alldem bekommen wir nichts mit und fahren gemütlich durch die ausgesprochen interessante Landschaft in Richtung Kap.

Am Ende des „Mittelfingers“ sind zwei sehr schöne Buchten. Marmari und Porto Kágio. Wir verlieben uns sofort in Porto Kágio, es ist auch ein Parkplatz für uns frei, ich fahre hinein – schwups wir stehen – Here we are.

Dicht gedrängt stehen am Strand viele Tische und laden zu einem Mittagessen ein. Wir können nicht widerstehen und setzen uns. Die Tische sind wackelig und stehen mehr oder minder halb im Wasser aber es ist so gemütlich. Wir essen gegrillte Sardinen und Scampis mit Salat und lassen es uns einfach gut gehen.

Es sind noch ungefähr 4 km bis zum südlichsten Punkt der Halbinsel. Dort umrunden täglich viele Seefahrer das Kap Ténaro. Das Kap liegt südlicher als Tunis und ist nach Tarifa  in Spanien der südlichste Festland-Punkt Europas. Wir fahren, bis es nicht mehr weitergeht, balancieren das Auto so aus, dass es halbwegs gerade steht und wir haben den ultimativen Übernachtungsplatz gefunden.

Aus dem „Schlafzimmer“ haben wir einen guten Blick auf das Totenorakel und die dazugehörige Kirche. Ich habe den Eindruck, da muss man nicht orakeln und wir lassen die Befragung infolgedessen sein. Wer will schon in die Zukunft schauen …

In einer halbstündigen Wanderung kann man das Kap mit dem Leuchtturm erreichen. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Überreste von Besiedelungen. Es war wohl mal eine dicht besiedelte Gegend mit römischer Kultur. Es gibt noch ein paar Mosaiken die in den Boden eingelassen sind und davon zeugen. Häufig sieht man auch noch in Stein gehauene Stufen, die zu irgendeinem Haus, dessen Grundmauern noch wage erkennbar sind, geführt haben.

Wir essen in der südlichsten Taverne Griechenlands zu Abend und schlafen selig in dieser wundervollen Gegend.

Am nächsten Morgen geht es nach einem gemütlichen Frühstück mit Meerblick weiter und wir passieren auf unserem Weg Vathia, ein ehemaliges Piratennest. Hier haben die Manioten Ihre Kriegsbesessenheit so richtig zur Schau gestellt. Direkt auf einem Felsvorsprung stehen dicht gedrängt mehrere festungsartige hohe Wohntürme. Man kann sich gut vorstellen wie sie sich dort gegenseitig beschossen und bekriegt haben. Eine Familienfehde zwischen 4 Familien soll 40 Jahre gedauert haben und 200 Opfer gefordert haben.

Tropfsteinhöhle von Diroú | Vlichàda

Es geht gen Norden, immer an der Küste entlang. Wir wollen zu den Tropfsteinhöhlen. Unser Navi führt uns über einen Feldweg und mir ist das ganze zu eng und brenzlig, sodass ich bei der nächsten Möglichkeit wende und umkehre. Wieder auf der Hauptstraße können wir sehen, dass zum Strand hinunter auch „normale“ Straßen führen. Das kann doch nicht sein, dass wir zu doof sind diese Höhlen zu finden, von denen überall behauptet wird, dass sie zu den Top Sehenswürdigkeiten des Peloponnes gehören. Also drehe ich um und fahre in das Dorf Pírgos Diroú zurück. Und da steht dann auch ein großes Schild … hatten wir wohl übersehen und uns zu sehr auf das Navi verlassen.

Die Höhlen sind derzeit wegen Umbau nur teilweise zu besichtigen, erfahren wir am Kassenhäuschen und es ist auch gar kein Andrang wie in den Reisebeschreibungen angekündigt. Wir kaufen eine Karte und laufen zum Eigang. Sonst wird man mit einem Elektrobötchen über einen unterirdischen See gefahren, was bestimmt eindrucksvoll ist. Jetzt kann man nur vom Ausgang ca. 300 m hinein laufen bis zur Ausstiegsstelle an der die Boote sonst anlegen. Aber auch das ist sehr sehenswert. Jetzt haben wir ja schon mal eine Tropfsteinhöhle gesehen, aber hier gibt es große Säle mit beeindruckenden Stalaktiten und Stalagmiten. Bei der Erforschung der Höhle wurden hier sogar Tigerknochen und Überreste von anderen wilden Tieren, die wir nur in Afrika vermuten, gefunden. Der Einlass war ursprünglich ganz unscheinbar und nur 50 cm im Durchmesser. Das hat sich jetzt zugunsten der Besucher natürlich geändert und wie es nach dem Umbau aussieht und wieviele Menschen dann aufgenommen werden wird sich zeigen. Nach diesem Besuch sehen wir die Hügel der ganzen Gegend mit ganz anderen Augen. Es könnte ja tatsächlich sein, dass es noch viele unentdeckte Höhlen hier in der Gegen gibt.

Im 10 km entfernten Areopoli erspähen wir von der Straße aus einen hübschen Blick auf den Marktplatz und machen ein Schwenk um einen Kaffee und einen Snack zu uns zu nehmen. Die zu besichtigenden Kirchen sparen wir uns und halten uns lieber an der Kaffeetasse fest.

Auf der Karte sind mehrere Stellplätze eingezeichnet, aber entweder ist es uns noch zu früh oder es gefällt uns nicht so sonderlich oder es steht da eines der berühmten Schilder die Camping verbieten. Auch wenn wir ja nur parken würden … fahren wir weiter bis Kotronas und buchen uns eine Nacht auf dem Campingplatz Kalogria ein.

Wir verlassen das Gebiet der Mani und fahren weiter in Richtung Kalamata. Es ist eine große Hafenstadt, die vor einigen Jahren bei einem Erdbeben schwere Verluste hinnehmen musste und nun durch ihr Moderens Stadtbild bekannt ist. Eine Stadtrundfahrt mit dem eigenen Womo zeigt uns keine aufregenden Stadtansichten, lediglich die Wasserfront mit dem Hafen ist interessant. Viele Restaurants und Kneipen säumen den Strand und man muss aufpassen, dass einem nicht eine dienstbeflissene Bedienung mit einem gut beladenen Tablett ins Auto läuft. Hier hat die Arbeit Vorfahrt.

Und dann geht es auch schon wieder Richtung Süden entlang der Ostseite des letzten Fingers. Wir passieren Koroni finden die dort ausgewiesenen Stellplätze entweder schon voll oder nicht schön und steuern dann die Bucht von Tsapi an, die schon auf der Westseite und nach dem Kap liegt. Die Zufahrt ist 10 km von der Hauptstraße und ein wenig nervig, weil lang und steil. Ganz unten gibt es dann einen Campingplatz.

Wir steigen aus und es donnert, blitzt und windet ganz heftig. Also hier gibt es jetzt keine Diskussion mehr, hier bleiben wir. Schnell entscheiden wir uns für einen Stellplatz. Ganz schön abschüssig an allen Plätzen … aber! wir haben ja Keile dabei. Und tatsächlich kommen sie hier zum ersten Mal auf dieser Reise auch zum Einsatz. Viele Stellplätze sind durch Bäume und ihre tiefhängenden Äste einfach nicht geeignet.

Das Gewitter entpuppt sich als „Rohrkrepierer“ und wir gehen noch zum Strand. Ach und da schau her, zwei nette Tavernen mit Liegen und Sonnenschirmen in guter Konstitution stehen da für die Gäste bereit. Preis? Nicht wie auf den Luxusstränden von Kos oder Korfu 70 € pro Set und Tag, sondern frei für die Gäste der Lokale. Also bis 1. Juli – dann kosten sie wohl auch was. Egal es ist Juni. Es ist hier und heute. Es ist gemütlich, es gibt einen tollen Standstrand und es geht ganz lange ganz flach und nur sandig ins Wasser. Der Platz entpuppt sich als der Hit – also ein griechischer Hit ;), es ist wirklich alles da und echt sauber. (Viele WC Häuschen, Kühlschränke, Kühltruhen, Kochmöglichkeit, Abspülbecken mit Stöpsel, WC Papier, WC Brillen, WLAN, Brot, Eier,  … fast Camping 2.0) Es ist so sauber hier, da wird sogar früh um 7 Uhr rund um das Wohnmobil der Boden gerecht. Aber wir hatten uns ja sonst beschwert, warum da niemand mal die Plätze recht oder mäht – also bloß nix sagen. Einfach aushalten – Ohren zu und nochmal umdrehen. Der Strand ruft auch noch um 10 Uhr.

Das Essen in der Taverne ist gute Hausmannskost und wir bleiben noch einen Tag und noch einen Tag und noch einen Tag …

Aber irgendwann muss auch mal wieder Schluss sein mit dem LotterUrlaubsLeben und wir packen wieder alles zusammen und fahren weiter Richtung Norden.

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