Und im Sommer nach Norwegen … oder doch lieber nach Griechenland? Die Erfahrung Norwegen im Winter zu erleben war toll, aber auch anstrengend. Die Vorstellung, dass es im Sommer überhaupt nicht mehr dunkel wird und unser Biorhythmus komplett durcheinander gerät, und das alles in einem Jahr, hat uns dann letztendlich doch davon abgehalten in den Norden zu fahren.

Jetzt sind wir ja so „Warmtypen“ nicht „Warmduscher“ im übertragenen Sinne – obwohl ….?? Also wie dem auch sei, wir mögen es lieber warm als kalt. Da kann es gerne weit über 30° C haben und wir fühlen uns viel wohler als bei 15-20°. Somit war die Entscheidung gefallen und wir beschlossen nach Griechenland zu fahren.

Mit dem Womo überall dorthin zu fahren, wo wir schon einmal mit dem Schiff waren und die Orte und kleinen Häfen von Land aus anzufahren, reizte uns. Wir legten einen Termin fest – sonst kommt man ja nie weg … und starteten plangemäß am 30. Mai 2022. Montagmorgen – der wunderbare Beginn einer neuen Woche. Urlaub – und wir gehen erstmal in Prien frühstücken … Die erste Etappe war geplant bis Ravenna. Das hatten wir noch im Navi, der Parkplatz mitten in der Stadt mit den phantastischen Fritto Misto. Die Anreise lief super – kein Stau und es flutschte so richtig. Auch mal schön. Einen kleinen Abstecher haben wir noch gemacht. Zum Bahnhof von Reggia Emiglia – ein echtes architektonisches Meisterwerk. Ich mache dort ein paar Fotos und dann geht es weiter Richtung Fritto Misto und Wein.

Am nächsten Morgen schnell um die Ecke einen Espresso und ein Hörnchen gegessen und dann weiter Richtung Süden. Die Planung war in Matera Station zu machen, aber leider in Ermangelung eines geeigneten Parkplatzes in Laufnähe zur Innenstadt haben wir es bei einer Stadtrundfahrt bleiben lassen müssen. Beim nächsten Mal …
Ein paar Kilometer weiter wurden wir in Castellaneta mit einem Stellplatz und einem angrenzenden Ristorante fündig, um dort zu übernachten. Von dort war es dann nur noch ein Katzensprung bis Brindisi, wo wir für Donnerstag eine Fähre gebucht hatten.

Wir erreichen die Stadt am späten Vormittag und überlegen, dass wir auch schon heute übersetzen könnten – also von unserer Seite aus stünde da nichts entgegen. Auch um mal zu gucken, wo es denn genau weggeht, fahren wir zum Terminal und fragen dort, ob es denn möglich wäre, das Ticket zu tauschen. Die junge, sehr nette Frau meint, das sei kein Problem gegen die Abgabe von 30 Euro könne sie uns umbuchen. Das ist uns die Sache wert. Irgendwas scheint aber nicht so im Programm zu laufen, wie sie sich das dachte und sie holt eine Kollegin hinzu. Nicht so jung, nicht so freundlich und plötzlich kostet die Umbuchung dann auch 168 €. Das ist mehr, als wir für die Passage an sich schon bezahlt hatten. Also doch morgen – für das Geld können wir auch schön Essen gehen in Brindisi.

Es gibt mitten in der Stadt einen Übernachtungsplatz. (Parccheggio gratuito, Via Spalato 47, 72100 Brindisi) Nicht aufregend, aber mit Wasser und Entsorgungseinrichtung. Von dort kann man bequem in die Stadt laufen und bis zur nächsten Eisdiele sind es nur ein paar hundert Meter. Wir sitzen zum Abendessen am Hafen und gucken interessiertauf die Segelschiffe, als direkt vor unserer Nase ein Zweimaster mit 60 m Länge und mit 5!! bzw. 4!! Salingen anlegt. Während Harald der Neid überkommt und er sich fragt, ob es sich um eine Ketsch oder einen Schoner handelt (der hintere Mast war der höhere), überlege ich den Eigner ausfindig zu machen. Kann ja schon mal frischen Lippenstift auflegen. vielleicht wäre der ja froh, endlich mal eine Frau an Bord zu haben, die segeln kann … naja war Spaß … der Eigner ist eine Chartergesellschaft. Immerhin beträgt die Chartergebühr 195.000 Euro pro Woche. Wir gehen brav nach Hause und schlummern dem nächsten Tag mit der großen Überfahrt über die Adria entgegen.

Jetzt haben wir uns schon daran gewöhnt „italienisch“ zu frühstücken: einen Espresso und ein Hörnchen und keiner muss auf die Jagd nach Semmeln gehen und keiner muss abspülen. Halt einfach Urlaub … und so machen wir uns auf den Weg zu der „Grande Bar“ die da laut Smartphone gleich um die Ecke ist. Uups – zu? Solide Gitter vor dem Eingang. How comes? Wir gehen Richtung Städtchen, da war ja an einer anderen Ecke auch eine. Auch zu? Ja wer lesen kann und sich vorher informiert, wäre klar im Vorteil. Der 2. Juni ist in Italien Nationalfeiertag. Also doch abspülen und wegen des geschlossenen Bäckers gibt es Knäckebrot im Womo. Auch gut.
Und dann geht es Richtung Fähre, wir wissen ja schon wohin. Im Terminal checken wir ein und bekommen unsere Bordkarten ausgehändigt. Viele Lkws stehen in einer langen Schlange an und wir werden gebeten noch irgendwo anzuhalten und zu warten, bis wir eingewiesen werden. Schließlich herrscht hier Ordnung. So schnell schaue ich gar nicht, wie ich im großen Bauch der Fähre verschwinde und dort in Warteposition deponiert werden. Viele Männer mit Trillerpfeifen winken und brüllen und ich werde angewiesen, zu wenden und zwischen zwei Lkws einzuparken. Da steht es dann und sieht winzig aus, unser WoMo. Man bedeutet uns auszusteigen und auf das Passagierdeck zu gehen. Dort sitzen wir nun und warten … Das Restaurant füllt sich langsam mit vielen Fahrern, die in allen möglichen Sprachen laut parlieren und sich viel nahrhaftes Essen auf großen Tellern aufhäufen lassen.

Wir sehen der Reise erwartungsvoll entgegen. Das Ablegemanöver wird sehr zügig und effizient durchgeführt – während hinten noch die letzten LKW einfahren, werden vorne schon mal die Leinen gelöst. Die Reisedauer wird etwa 9 Stunden betragen, d.h. es wird spät werden, bis wir in Igoumentisa ausfahren dürfen.

Und genauso kam es dann auch. Alle eilten geschäftig zu Ihren Fahrzeugen – die großen Lkws ließen sofort den Motor an, damit es in der Fahrerkabine auch schön kalt ist. In Nullkommanichts entwickelte sich eine Hitze und ein abartiger Gestank nach Abgasen in den Decks. Die Fahrzeuge waren so eng geparkt, dass wir zuerst gar nicht zu unserem Womo laufen konnten. Und dann saßen wir da … und warteten und warteten und warteten …. nach zwei Stunden tat sich dann etwas und wir wurden rausgewunken. Dann ging es fluxs und „Willkommen in Griechenland“. Es war nach 24 Uhr und wir beschlossen auf einem nahegelegenen Parkplatz zu übernachten. Es war ja eh dunkel und wir schliefen dann sofort auch ein.

Am nächsten Morgen ging es dann an der Küste entlang bis zur nächsten Frühstücksbar. Griechischer Kaffee und so ein Filoteigteilchen gefüllt mit Spinat und wir wussten, jetzt sind wir da. Wir suchten uns einen netten Campingplatz mit „allem“ und konnten das erste Mal im Mittelmeer baden. Die nächste Station war Parga, leider standen da so viele Autos am Straßenrand, gefühlt 10 km in beide Richtungen vom Ortskern aus, dass wir bis Preveza weiterfuhren. Wie schön dort an der Uferpromenade ein bisschen zu „lustwandeln“, Schiffe zu begucken und gemütlich die ersten gegrillten Sardinas zu essen. Wir konnten uns nicht einigen, an welcher Stelle genau wir damals lagen, war aber letztendlich auch egal. Es wurde nach dem Mittagessen immer heißer und so bevorzugten wir unser Womo mit Klimaanlage und fuhren nach Lefkas. Erst unter der Meerenge zum Ambrakischen Golf hindurch und dann über die Brücke nach Lefkas.

Ein kleiner Einkaufsstopp bei Lidl füllte die Wasservorräte und dann landeten wir am Ende des Tages in der Desimi Bucht. Es gibt dort einen kleinen Campingplatz mit sehr freundlichen Leuten. Ich wurde fachgerecht eingewiesen und zackbum hielt der Chef auch schon einen Keil bereit, damit wir wirklich gerade stehen und nachts nicht der Eine auf den Anderen draufkullert. Das hatte ich so noch nicht erlebt. Jetzt bin ich ja kein Keil-Freund, weil ich beobachte, dass die meisten, die Keile verwenden, sich offensichtlich absichtlich schief hinstellen. Die ersten Keile die wir hatten, haben wir wochenlang durch Marokko gefahren und nach der Reise hatte ich die dann originalverpackt umgetauscht. Harald meinte aber letztes Jahr so ganz ohne geht es nicht, da wir einmal nachts schon ziemlich schief standen und kaufte dann doch wieder welche. Ich bin gespannt wie oft wir sie diesmal brauchen …

Es war so gemütlich und schattig auf dem Platz, dass wir für den nächsten Tag einen Strandtag einlegten. Auch schön, mal so einen ganzen Tag einfach nur faul rumzuliegen, ein bisschen zu lesen ein kleines Schläfchen machen und abends gemütlich essen zu gehen. Irgendwie machen hier alle Menschen so einen glücklichen Eindruck. Das tut gut.

Wir haben noch viele Ziele vor uns und so geht es weiter und wir verlassen den Campingplatz der glücklichen Menschen um Lefkas weiter zu umrunden.

Es sind nur wenige Kilometer bis Syvota, dort haben wir früher mal mit dem Schiff gelegen. Es hat sich viel verändert, war damals der Hafen mit einer Handvoll Schiffe so gut wie voll, hat man jetzt viele Schwimmstege neu gebaut und am Ortsrand, sowie am Hafen liegen noch einige dieser Schwimmstege. Sollten mal alle installiert sein, kann man wahrscheinlich die Bucht trockenen Fußes überqueren … Ob das alles so richtig ist? Wir gönnen uns einen Frappé und starten dann weiter zu unserer Inselumrundung.

An der Südspitze gibt es einen sehr schönen und gepflegten Strand (Ammousa) mit einer Taverne und man kann es sich dort so richtig gemütlich machen. Leider war es noch ziemlich früh am Tag, sodass Mittagessen nicht anstand und noch einen Strandtag haben wir dann doch nicht einlegen wollen. Aber sehr zu empfehlen.

Wir schlängeln uns durch die Berge und es geht hoch hinauf. Endlich kommt dann die Abzweigung zum Strand Kalamitsi. Umleitung … Wir folgen der Straße, bis eine neue Abzweigung kommt. Es ist ganz schön eng und viel Verkehr. Irgendwie geht es ja dann doch, dass man aneinander vorbeikommt. Ein entgegenkommendes Fahrzeug hält und der Fahrer winkt, wir sollten mal das Fenster herunterkurbeln. Auch diese Straße führt zur Umleitung und es ist kein Durchkommen. Ausserdem sei es unten sehr eng. Also wieder wenden, wieder hinauf und weiter bis zur nächten Abfahrt.

Das ist dann schon Kathisma. Ein langer Sandstrand und von oben sehen wir schon viele bunte Schirme. Da mag ja jede Menge los sein. Viele Parkplätze, noch mehr Tavernen und es sieht nach ordentlichem Rummel aus. Sieht aber nur so aus, es ist so gut wie nichts los. Wir fahren bis ans Ende, wenden und bleiben dann am Straßenrand stehen. Das sieht eigentlich ganz gut aus. Das gegenüberliegende Lokal gibt uns ein reichliches Mittag/Abendessen und dann legen wir uns an den Strand. Ich handle mit dem „Schirm- und Liegenverwalter“ und für den Rest des Tages haben wir dann zum halben Preis ein Set. Zwei Liegen mit Sonnenschirm. Zum Sonnenuntergang laufe ich mit Sativ und Kamera zu den großen Felsen, die auf der Seite liegen und versuche einen netten Sonnenuntergang zu fotografieren. Hat man zwar schon hundertmal gemacht, ist aber immer wieder schön. Wie immer bezieht sich der Horizont mit Wolken und die Sonne verschwindet dahinter bevor sie untergeht. Langsam senkt sich die Dunkelheit über die Bucht und es wird irgendwie bizarr, wie der Strand von Flutlicht angestrahlt wird und das Meer dahinter in der Dunkelheit versinkt. Ich packe nochmal das Stativ aus und mache ein paar Nachtaufnahmen.

Der Restaurantbesitzer hatte uns erklärt, er hätte jeden Tag von acht bis acht offen. So dachten wir, dass wir um kurz nach Acht dort frühstücken könnten. Was er nicht gesagt hatte, dass es aber erst ab 9:30 Uhr Frühstück gibt. Zum Trost er hat uns dann selbst!! einen Kaffee gemacht und für jeden einen Toast. So gestärkt brachen wir Richtung Lefkas-Stadt auf. Ganz schön trubelig war es dort und auch sonst gab es keinen Grund um dort anzuhalten. Also wieder über die Brücke auf das Festland und Richtung Süden. Wir wollen uns mit einer Freundin treffen, die in Mesolongi in der Marina mit einem gecharterten Segelschiff liegt und auf der Rückreise nach Prevesa ist.

Schon von weitem sehe ich eine große Rauchwolke aufsteigen. Viel denke ich mir nicht dabei, wird halt jemand seinen Gartenabfall verbrennen. Wir nähern uns der Wolke. Die Straße ist nicht mehr sichtbar und rechts neben der Straße brennt das ganze Gebüsch.Vor uns fährt ein junger Grieche, der sofort anhält und offensichtlich die Feuerwehr verständigt. Mit wird etwas mulmig. Was sollen wir jetzt machen? Da rauscht ein entgegenkommendes Fahrzeug aus der Wolke heraus. Kurz darauf noch eines und manchmal ist auch erkennbar, dass die Straße dort gerade weitergeht. Weiter Rauchwolken dahinter waren nicht erkennbar. Augen und Fenster zu und mit „Vollspeed“ durch die Wolke. Harald meint, ob ich anhalten möchte und fotografieren? Nee lieber nicht, einfach nur weg hier, man weiß ja nicht, wie sich das noch alles entwickelt. Und Feuer brauche ich ja schon mal per se nicht.

Wir erreichen am Nachmittag die Marina von Mesolongi, die an einer Lagune liegt und treffen uns mit den Freunden. War für eine Wiedersehensfreude … die Zeit verrinnt wie im Flug und es war schön, mal wieder im Cockpit eines Segelschiffes zu sitzen und zu ratschen. Abends essen wir in dem dazugehörigen Lokal einen wunderbaren frischen Fisch und übernachten dort auf dem Parkplatz. Die Duschen und Toiletten sind offen und wir können sie benutzen. Wenn auch die Duschen nur für die Marinalieger warmes Wasser haben. Geht schon mal auch kalt zu duschen. Gut die zahlen ja auch dafür und so offiziell erlaubt ist es bestimmt nicht, dort zu stehen. Dafür gibt es ein schönes Frühstück mit Ei und Sandwich und allem eben.

Die Freunde legen ab und wir auch. Ein kurzes winken und jeder bricht in seine Richtung auf.

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