Bevor wir uns nun am Ende des letzten Fingers des Peloponnes, in der schönen Bucht Tsapi, gänzlich dem Gefühl aus dem Lied von S.T.S – „Und irgendwann bleib i dann dort …“ hingeben, packen wir unsere Stühle und den Tisch ein, nehmen die Wäscheleine vom Baum, zahlen und fahren weiter. Es ist nun der entscheidende Wendepunkt in unserer Reise von jetzt an, werden wir nur noch gen Norden fahren. Auch wenn der Weg das Ziel, ist letztendlich doch zu Hause das Ziel.

Methoni ist das erste Ziel des heutigen Tages. Eines der besonderen Sehenswürdigkeiten des Peloponnes – und das zu Recht. Die venezianische Burg sehen wir im Sonnenlicht schon von Weitem leuchten. Wir fahren geradewegs darauf zu und es gibt dort auch einen Parkplatz, auf den ich flux fahre, einparke und dann feststelle, ist schon ein wenig dreist … Die Plätze sind für Pkws konzipiert und wenn ich auch noch so dicht an das Mäuerchen fahre, also auf 2 mm, ist und bleibt unser Hymerchen einfach ein Kastenwagen, der doch etwas länger ist. Jetzt könnte man sagen, hab dich nicht so, aber ich überlege, was ist, wenn da ein anderer eine Beule reinfährt oder ich am Ende aus der Parklücke nicht mehr rauskomme? Also fahre ich wieder raus und finde ca. 100 m weiter doch noch einen „anständigen Parkplatz“, von dem aus es auch nur wenige Minuten zum Eingang der stolzen Burg sind.

Bucht Tsapi

Die Burg nimmt die ganze Halbinsel ein und war in grauer Vorzeit Stützpunkt für die Kriegs- und Handelsflotte der Venezianer. Später betrieben die Türken hier einen großen Sklavenmarkt. Es ist noch sehr viel Gemäuer erhalten und man kann sich das ehemalige Treiben gut vorstellen. Nach erfolgreicher Besichtigung gibt es zur Belohnung noch einen Espresso im Schatten der Burg und wir fahren weiter zur Bucht von Navarino.

Die Bucht ist bekannt für die „Schlacht von Navarino“ als 1827 eine Flotte englischer, französischer und russischer Schiffe in vier Stunden heftigstem Kampfes 55 von 82 Schiffen der türkischen Kriegsflotte versenkten. Ob die Wracks da jetzt noch liegen und Anreiz für Taucher sind, weiß ich nicht so genau, ich kann mich nicht erinnern, dass da was in den Seekarten eingezeichnet gewesen wäre.

Wir fahren den Campingplatz Erodios an. Im Vorfeld hatte ich recherchiert, ob es Liegen und einen schönen Strand gibt. Wir sind immer noch ein bisschen im Urlaubsmodus und wollen noch einmal Strand und Mittelmeer genießen. Es ist noch was frei und hier ist wirklich alles super organisiert. Bequeme kostenfreie Liegen am Strand lassen den nächsten Tag zu einem Relaxtag werden.

Methoni
Knocking on heavens door

In der Nähe gibt es eine wunderschöne Bucht, die man über ein Naturschutzgebiet und Dünen fußläufig erreichen kann. Voidokiliabucht heißt dieses wunderbare Fleckchen. Ich schaue mir das auf Google an, ziehe ein paar feste Sneakers an, packe eine Flasche Wasser ein und los geht’s.

Der Weg zieht sich doch ganz schön und am Ende waren es dann knapp 10 km die ich hin- und zurück gelaufen bin. Inclusive einer schönen Blase am Fuß. Aber das ist ja bei mir nichts Neues. Der Strand der Rinderbauchbucht – wie sie auch genannt wird – besteht aus feinem Sand und ist ringsum von Dünen umgeben. Es gibt nur einen kleinen Durchlass zum Meer. Bei ordentlichem Seegang ist es bestimmt schön, wie das Meer da hineindrückt und innen dann plötzlich alles ganz still ist. Oberhalb auf dem Berg gibt es auch eine Burg, die ist jedoch wegen starker Einsturzgefahr gesperrt und ich habe mir den Besuch, nicht nur wegen der doch nicht unerheblichen Temperaturen von ca. 35°, gespart. Auf dem Rückweg gab es einen schönen kühlen Frappé in einer BeachBar. So kühl der Frappé, so laut ist die Musik dort. Wir fragen uns, warum es überall laut aus Boxen, die eine Größe eines Gastronomiekühlschrankes haben, laut über ganze Buchten hinweg schallen muss. Mögen das die Menschen wirklich? Kilometerweit ist die Musik zu hören. Es könnte oft so schön und beschaulich sein, wäre das nicht das laute Gedüdel … Zum Glück hörte die Musik am Abend auf, denn auch auf unserem Platz kamen wir noch in zweifelhaften Genuss.

Voidokoilia

Zwei Tage, drei Nächte und dann ist auch wieder gut mit dem Sesshaftwerden. Bis Olympia sind es noch gut 130 km und auch wenn wir vor einigen Jahren schon mal dort waren, legen wir dort einen Besichtigungsstop ein. Vor über 2700 Jahren nahm hier die Geschichte der Olympischen Spiele ihren Anfang. Inmitten grüner Natur und Hügeln liegt die Geburtsstätte der Sportveranstaltung, die sich gemäß dem damals eingeführten Turnus alle vier Jahre wiederholt.

Spannend ist, dass heute immer noch das Olympische Feuer dort entzündet wird.

„Die Eröffnungszeremonie wird vom  organisiert. Die olympische Flamme wird im griechischen Olympia einige Monate vor der Eröffnung der Olympischen Spiele von Schauspielerinnen in der Rolle von Priesterinnen vor den Ruinen des Hera-Tempels entzündet. Bekleidung und Choreografie folgen antiken Vorbildern. Das Feuer wird mithilfe eines Parabolspiegels durch Bündelung des Sonnenlichts entfacht und anschließend in einem Tongefäß in das alte Stadion getragen. Dort wird die Flamme durch die „Hohepriesterin“ dem ersten Läufer mithilfe einer Fackel übergeben. Sollte die Sonne während der offiziellen Zeremonie einmal nicht scheinen, gibt es einen Plan B: Tage vorher wird in einer Schönwetterzeit das Feuer auf die vorgeschriebene Weise entzündet und in einer Sicherheitslampe verwahrt, an der die „Hohepriesterin“ ihre Fackel entzünden kann.“

Quelle Wikipedia

Es sind wenige Leute unterwegs und wir genießen es sehr, dass es keinen Andrang an den Kassenhäuschen gibt und man auch sonst ganz entspannt durch die Ausgrabungen laufen kann. Auch im Museum ist wenig los. Wir sitzen gemütlich auf einer Parkbank und stellen uns vor, wie das wohl damals alles war. Während der Spiele war jegliche Kriegs – und Kampfführung verboten und man konzentrierte sich lediglich auf die sportlichen Auseinandersetzungen. Es gab keine Medaillen, weder aus Gold, Silber oder Bronze, der Sieger erhielt einen Ölzweig. Und wie es mit der Bestechlichkeit der Organisatoren bestellt war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Es war nicht weit von Olympia bis Katakolon, dem Kreuzfahrerhafen an der Westseite des Peloponnes. Dort haben wir von einigen Jahren mit dem Schiff gelegen und auch wie die „richtigen“ Kreuzfahrer die olympische Besichtigungstour gestartet. Diesmal war es eben andersherum. Wir konnten am Hafen mit unserem Womo gut stehen und dem bunten Treiben auf dem Kai zusehen. Im Hafen lag eine ältere, etwas unelegant aussehende Motorjacht. Verglichen mit den modernen Yachten sah sie eigentlich ziemlich klobig aus. Form und Aussehen erinnerte eher an ein Kriegsschiff anstatt an eine sagenumwobene elegante Yacht der Superlative. Erst der Name machte das Schiff zu dem was es ist, die „Christina O.“. Zugegeben, bevor sie wurde, was sie ist, war dieses Schiff tatsächlich ein Kriegsschiff. Onassis kaufte 1948 dieses kanadische Kriegsschiff für schlappe 34.000 US-Dollar und ließ es dann innerhalb von zwei Jahren für 4 Million US-Dollar umbauen. Mit seinen 99 m Länge gehört es heute noch zu den „Megayachten“. Jeder der damals zu den wirklich Reichen und Schönen gehörte, wurde auf die Yacht eingeladen und nahm die Einladung auch gerne an. Ob Winston Churchill oder John f. Kennedy hier wurden die Partys der Partys gefeiert. Neben den zahlreichen Frauen die Onassis hier auf dieser Yacht bewirtete und nicht nur das, war er besonders stolz auf seine Barhocker, die mit der Vorhaut eines Walpenises bezogen waren. Solche „Entgleisungen“ des „guten Geschmacks“ wären heute undenkbar. Ob die Barhocker noch so bezogen sind, wissen wir nicht, denn es war nichts los auf dem Schiff. Es wurde für viel Geld „refittet“ und man kann die Yacht wochenweise chartern. Es sind Charterraten von 450.000 €/Woche im Gespräch. Dann mal zu – und viel Spaß …

Wir frühstücken am nächsten Morgen in einem der kleinen Hafencafés und fahren weiter – immer Richtung Norden. Auf der Suche nach einem schönen, ruhigen Strandplatz zum übernachten kommen wir an vielen Stränden vorbei. Und plötzlich sind wir mitten in Patras am Fährhafen. Wir suchen nach einer Beschilderung, damit wir die richtige Fähre zum Festland erwischen. Es stehen viele Fähren dort, aber keine ist beschildert. Ein Mann winkt uns wild, wir sollen einfahren und als ich auf der Brücke noch fragen will, ob ich denn richtig bin, klappt auch schon die Auffahrrampe zu. Naja, wird schon stimmen. Glück gehabt, nach Abgabe von 7 € durften wir nach kurzer Zeit tatsächlich unterhalb der Brücke wieder ausfahren und waren somit wieder auf dem Festland. Es war später Nachmittag und wir befragten Park4Night, was denn so im Angebot wäre in unserer Nähe. Tatsächlich finden wir unweit einen wirklich schönen Platz. Direkt am Strand ohne weitere andere Womos. Der Strand hat Liegen, ein Restaurant, tolles Wasser und eine Dusche. Was will man mehr. Ein kleiner Fischerhafen rundet das Bild malerisch ab. Abends sitzen wir noch vor dem Womo und schauen auf das Wasser. Am nächsten Morgen schwimmen wir noch eine Runde, frühstücken gemütlich und fahren dann zum nächsten Ziel.

Die Meteora Klöster liegen von unserem Standort aus nordöstlich in den Bergen. Das UNESCO Weltkuturerbe wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Auf steilaufragenden Sandsteinfelsen wurden obenauf, fast wie hingeklebt, 24 einzelne Klöster gebaut. Heute sind nur noch sechs davon aktiv bewohnt. Die anderen sind wegen Einsturzgefahr oder wegen ihrer schwierigen Erreichbarkeit verlassen. Für uns war das Beeindruckendste die bizarre Landschaft mit den obenaufsitzenden Bauwerken. Wir sind alle abgefahren und bis zu einem Panoramaaussichtspunkt gefahren. Es war ganz schön viel los und große Reisebusse schlängelt sich die engen Straße hoch. Wir verlassen die „Pfade des 007“, denn auch hier wurde ein James Bond gedreht, „In tödlicher Mission“ und folgen unserem Navi. Kurz vor der Grenze nach Albanien machen wir einen nächtlichen Einkehrschwung auf einem Rastplatz mit Café und Kinderspielplatz. Es gibt Kaffee und Sandwich und Sandwich und Kaffee … und der Wirt spricht kein Wort englisch und wir kein Wort griechisch … Ok für so viel reicht es, dass wir einen Kaffee und ein Sandwich als Abendessen bekommen. Nach der Befragung der ÜbersetzungsApp stellt sich heraus, dass es auch keinen Weißwein, geschweige denn kalt, gibt. Auch gut, haben wir ja alles dabei. Es ist so still und gottverlassen dort. Alle paar Stunden kommt mal ein Auto oder Lkw vorbei, das hört sich dann aber nächtens so an, als wenn dieser genau mitten durch das Womo fahren würde.

Nach Kaffee und Sandwich … fahren wir Richtung Grenze zu Albanien. Kurze Wartezeit und schon befinden wir uns auf vertrautem Territorium. 2017 waren wir im Herbst in Albanien. Die Route führt uns über den Ohrid See. Das Restaurant, bei dem wir damals übernachtet haben, finden wir nicht, suchen aber auch nicht wirklich intensiv. Am Ende des Sees ist ein kleiner Ort, den wir damals zuletzt noch besichtigt hatten um dann anschließend in einem Rutsch nach Hause zu fahren. Dort werden wir fündig und essen so richtig schön zu Mittag. Die Terrasse ist über den See gebaut und überdacht und es gibt Fisch aus dem Ohrid See. So gestärkt durchqueren wir das Land und sind am Abend in Skodra. Es sieht alles ganz anders aus. Wir finden den Campingplatz nicht, auf dem wir damals waren und Internet geht auch nicht, um nachschauen zu können. Egal, wir folgen dem nächsten Schild und landen in ganz anständiger Umgebung. Alles da und für eine Nacht allemal gut.

Bis zur nächsten Grenze sind es nur wenige Kilometer und wir sind in Montenegro. Jetzt hatte ich ja als junges Mädchen mal ein Foto von einem traumhaften Strand gesehen. Immer wollte ich dort hin und immer war das nicht möglich, keine Zeit, zu weit oder sonst was. Aber jetzt dachten wir … Dieses Bild damals war mit der Bildunterschrift „Sandstrand in Budva“ betitelt. Freu, freu – wir geben das im Navi ein und sind erschlagen von soviel grauenvollem Tourismus, Menschenmassen, Verkehr ohne Ende. Was ist denn da los? So beschaulich es in Griechenland war, so hektisch und voll ist es hier. Man kann es sich kaum vorstellen. Und ich vermisse schmerzlich die Freundlichkeit und Höflichkeit der Griechen im Straßenverkehr. Was sind das denn hier für Rüpel? Man fährt, schon mal immer volle Kanne, geradewegs in den kleinsten Gässchen auf das entgegenkommende Fahrzeug zu. Dann stellt man fest, dass der große Kastenwagen doch nicht so leicht ausweichen kann und setzt dann widerwillig zurück. Nein – kein Einzelfall. Auf einem Parkplatz kommt ein junger Mann schwungvoll mit seinem Auto an und bleibt mittendrin stehen. Steigt aus und geht an die Bar. Ob jetzt da jemand aus- oder einparken möchte, ist ihm egal. Und es wäre Platz, genügend Platz. Ich wollte ausparken. Was kann unser Hymerchen doch für ein schönes Hupkonzert veranstalten. Auch erfolgreich, aber man fragt sich schon, was das alles soll.

Um unsere Ländertour fortzusetzen, passieren wir die Grenze nach Kroatien. (Acht Länder in 4 Wochen) Internet geht wieder und wir finden einen „Auto Camp“ am Ende einer langen schmalen Straße direkt am Strand. Es ist ein wenig eng, eigentlich wie immer, aber der Platz ist super. Blick auf’s Meer in eine tolle Bucht, klares Wasser und sauberer Strand. Eine wunderbare laue Nacht, in der man noch lange draußen sitzen kann.

Es war ja immer noch der Plan, ein oder zwei Tage am Strand zu verbringen. Ich google und finde den vermeintlich „ultimativen“ Platz und schicke eine Anfrage dort hin. Am nächsten Morgen teilt man uns mit, man sei komplett voll und könnte uns keinen Platz geben. Unweit von Trogir auf einer kleinen Landspitze befindet sich der Campingplatz „Rožak“. Trogir hatte ich als eine schöne kleine Alte Stadt in Erinnerung und auch es da nichts gibt, ist es alle mal einen Besuch wert. Wir fahren durch Trogir, es wimmelt nur so von Autos und Menschen und versuchen dann doch nochmal unser Glück. Siehe da, man hätte noch ein paar Plätze frei, zwar nicht in der ersten Reihe aber immerhin. Wir checken für eine Nacht ein und das reicht auch. Wir sind halt keine Camper so mit dem ganzen Campinggedöns. Musik an jedem Platz, knalle Sonne am Strand, Bier zum Frühstück und Rülps vom Nachbar …

Einen Joker habe ich ja noch im Ärmel, dachte ich. Wenn wir durch den Tauerntunnel nach Hause fahren kommen wir am Ossiacher See vorbei. Dort habe ich mit meinen Eltern früher immer in einem sehr chicen Hotel die Ferien verbracht. Schon oft wollte ich da mal vorbeifahren. Heute ist dort ein Robinson oder Aldiana Club, so war der letzte Stand meiner Information. Ja und dann kommt alles ganz anders. In Kärnten tobte ein Unwetter und besonders ist der Ossiacher See betroffen und man soll mal hübsch zu Hause bleiben.

So zerplatzen viele Träume und Kindheitserinnerungen … aber vielleicht auch gut so, das macht Platz für neue Erlebnisse.

Wir sind am nördlichsten Punkt unserer Reise angekommen und der Alltag hat uns wieder …

Home sweet home …

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