Von Viñales nach Soroa

Drei Wege führen nach Soroa. Den Weg an der Küste entlang wählten wir ja schon für die Fahrt nach Viñales. Die Autobahn heben wir uns als Alternative auf, falls es zu schlimm werden sollte, bleibt der Weg über Land. Durch die fruchtbaren Gebiete in der Landesmitte und durch beschauliche Dörfchen führt uns die Straße in Richtung Soroa. Die Straße ist mal mehr, mal weniger gut, aber durchaus befahrbar.

Wir verpassen eine Abzweigung und stellen nach dem Studium der Karte fest, dass wir auf einer Abkürzung fahren. Yeah! Einer vermeintlichen Abkürzung. Die Straße führt an Feldern vorbei und fröhliche Bauern winken uns zu. Wir winken zurück und sind guter Dinge. Bis, ja bis die Straße plötzlich in einem See verschwindet. Einfach so, ohne Ankündigung. Wir können sie noch gut einige Meter weit mit unseren Augen verfolgen, bis sie in den Tiefen des Sees unsichtbar wird. Nun wird uns auch klar, was das fröhliche Winken der Bauern uns bedeuten sollte. Auf der Karte ist die Straße als eine ganz normale, wenn auch weiße Nebenstraße eingezeichnet. Mag sein, dass sie im Sommer bei sehr niedrigem Wasserstand benutzbar ist, für uns jedoch nicht. Also wieder umdrehen, zurück zur Kreuzung und jetzt, von der anderen Richtung kommend, sehen wir auch das Schild.

Das ist hier häufig so, dass man eigentlich nur aus einer bestimmten Richtung kommen darf, um die richtige Abzweigung zu finden. Zwangsläufig tut man das auf dem Rückweg dann ja auch – somit ist die Theroie der Straßenbeschilderer bestätigt. Es reicht aus, ein Schild aufzustellen. Egal aus welcher Richtung man kommt – irgendwann kommt man immer an dem Schild vorbei.

Kurz vor Soroa finden wir gleich das Schild zu unserem Casa und folgen einem unbefestigten Weg. Casa Rasciel La Cascada – ein freundlicher Kubaner begrüßt uns mit  überschwänglichen spanischen Worten. Das Wasser im Pool vor unserem Zimmer ist frisch eingelassen – das Wasser ist seeehr kalt. Zwei große Doppelbetten stehen im Zimmer und ein großer, mit Getränken gefüllter Kühlschrank. Leider ist dieser total vereist und springt alle paar Minuten mit lautem Gedöns an. Wir stellen die Temperatur des Kühlschranks ein wenig runter, damit dieser nicht immer auf vollen Touren laufen muss. Mit dem Erfolg, dass  das Zimmer kurz darauf unter Wasser steht. Ein Schrubber steht vor der Tür und ich mach mich dann mal an die Arbeit. Der Herr Wirt erklärt sich nach einigen Diskussionen bereit, den Kühlschrank vor die Tür zu stellen. Diese Maßnahme trägt wesentlich zur Nachtruhe und Trockenheit des Bodens bei.

Mit ein bisschen Spanisch kommt man hier problemlos zurecht. Auch Italienisch ist hilfreich, die Sprachen sind teilweise sehr verwandt. Schade, dass wir beides nicht sprechen … ;))

Somit gestaltet sich unsere Konversation etwas schwierig, wenn auch nicht aussichtslos. Besitzen wir doch Hände und Füße und der Herr Wirt ein Smartphone mit einer Übersetzungs-App.

Kubaner sind Improvisationskünstler

Abendessen gäbe es bei ihm, sagt er – er ist das Restaurant im Ort. Chicken oder Chicken? Mit roten Bohnen und Reis. Oder Reis und roten Bohnen. Diese Auswahl ist obligatorisch für das Abendessen. Und wir bekommen Wein kredenzt. Aus eigenem Anbau und ökologisch, sagt er. Wir gucken skeptisch, aber der Wirt beteuert, das der Wein aufs Haus ginge. Ich habe schon viel Wein getrunken, nicht immer erlesene Weine, aber viele gute Landweine, mit ursprünglichem, erdigen Geschmack. Nach dem ersten Schluck fragen wir uns hier allerdings, um welch eine Flüssigkeit es sich bei diesem bräunlichen, ungenießbarem Nass handelt. Ein echtes Erlebnis. Spät Abends im Bett lese ich in Jürgen Schaefers Gebrauchsanweisung Kuba (Seite 83), dass der Kubaner, in seinem grenzenlosen Improvisationsdrang (bzw. -zwang), Wein aus Roten Rüben, aus tagelang angesetzten Kochbananen, Kirschen, Palmen, Reis und Paprika keltert. Da wurde mir so einiges klar.

Es fehlt etwas an der Bettschwere und so wundere ich mich ein wenig über die starre Schlafunterlage. Ein Blick unter die Matratze klärt auf, was ich fühle. Unser findiger Wirt hat das Wort Lattenrost mit Palettenrost verwechselt. Es scheint, dass das Bett kaputt war und so hat er aus ein paar Paletten einen neuen Lattenrost gebastelt. Geht doch …

Im kubanischen Geruchsdreieck

Es ist 8:01 Uhr und unser Wirt klopft an die Tür. Frühstück war für 8 Uhr bestellt und sei deshalb auch fertig. Tatsächlich, wir kommen an den Tisch, das Omelette steht bereit und setzt sich gerade mit dem Prozess des Erkaltens auseinander. Haralds bestellter Tee scheint so etwas wie Eistee in warm zu sein. Warm und süß mit einem Hauch Zitrone. Er nippt und verzieht so ausdrucksstark das Gesicht, dass er doch noch so etwas ähnliches wie schwarzen Tee serviert bekommt.

Der Kaffee ist stark, schwarz und ordentlich geröstet – jedenfalls macht er wach. Was die Dusche, die nach der Hälfte der Zeit nur noch kaltes Wasser ausspuckte nicht vermochte. Egal – wir sitzen im kubanischen Geruchsdreieck und frühstücken. Von rechts weht ein laues Lüftchen Stallgeruch herüber, von hinten erreicht uns der Hauch von Altöl, welches aus dem BelAir – Oldtimer tropft und von links weht der Rauch des Feuers des Nachbars, der gerade seine Abfälle verbrennt, herüber.

In solchen Momenten denke ich doch gerne an den Duft des Frühstücks in einem 5 Sterne Hotels. Aber hätten wir dann das alles erlebt? Gut, man kann sagen, will ich das erleben? Wir finden ja, zumindest im Nachhinein. Das ist der Kubanische Way of Life.

Las Terrazas – Mit der UNESCO auf DU und DU

Der Tag wird lustig und interessant. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Am Treffpunkt in den Bergen von Las Terrazas treffen wir das niederländische Pärchen Judith & Alex, welches wir schon im Casa in Havanna kennen lernten. Mit sechs Leuten sind wir eine überschaubare Gruppe.

Ein junger Guide lädt uns als erstes auf einen Cocktail ein. Am frühen Morgen, Rum mit O-Saft. O.k. mag ja sein, dass man dann beschwingter in den Tag geht. Wir probieren es aus. Er erklärt uns das Projekt. Dort oben in den Bergen war früher ein guter Standort um Kaffee anzubauen. Also holzten die Spanier dort alles ab und pflanzten Kaffeepflanzen. Das ging auch die erste Zeit gut, aber Wind, Stürme und Erosion ließen alsbald den Mutterboden abrutschen, die Wurzeln der Palmen verrotteten und die Hügel gerieten in Bewegung. Mittlerweile wurde Kaffee aus Brasilien und Kolumbien auf dem Markt billiger und besser angeboten. Und so verfiel das Gebiet zusehends. Bis Fidel auf Betreiben einiger Initiatoren das Gebiet unter Naturschutz stellte und dessen Aufforstung befahl. Er bestellte in Russland entsprechendes Gefährt und ließ mit deren Hilfe Terrassen in den Berg fräsen, die dann bepflanzt wurden. Heute sind die Hügel bewaldet und stellen eine wunderbare Landschaft dar.

Das Gebiet steht unter dem Schutz der UNESCO und ist ein beliebtes Ziel für Besucher, Radler und Wanderer. Die ortsansässige Bevölkerung wurde zum Verkauf ihres Landes bewogen und in das Village Las Terrazza umgesiedelt. Man hat in Windeseile Gebäude errichtet, in denen die Menschen, die ihr Land verkauft haben, ein über Generationen geltendes Wohnrecht erhielten. Unser Führer wohnt in einer solchen Wohnung. Es wurde für Infrastruktur gesorgt und so entstand eine kleine Gemeinde, die sich dem Tourismus verschrieben hat. Restaurants und Kaffes werden dort betrieben und die meisten der Einwohner arbeiten in irgendeiner Form im bzw. für den Tourismus. Über dem Ort thront das Hotel Moka, dessen Inhaber einer der Betreiber der ökologischen Bewegung des Gebietes ist.

Wir fahren hinauf in die Berge und besichtigen die Überreste einer ehemaligen Kaffeeplantage. Hier kann man sehen wie die Menschen damals lebten und arbeiteten. Weiter ging es mit einem Spaziergang durch den Ort und anschließend fuhren wir noch zum Wasserfall San Juan mit seinen natürlichen Swimmingpools. Das Wasser war nicht sehr kalt, aber auch nicht einladend warm. Wir konnten uns nicht überwinden.

Lunchen mit dem Tocororo

Abschließend gab es noch einen gemeinsamen Lunch – ich muss es nicht erwähnen, Huhn, Schwein, Bohnen, Reis und Salat. Plötzlich eine gewisse Aufgeregtheit bei den anderen Gästen. Der Nationalvogel Tocororo ward gesichtet. Offensichtlich eine Seltenheit. Alle eilten in den nahegelegenen Wald. Und tatsächlich waren zwei der seltenen Vögel zu sehen. Weit oben in einem Baum, mit bloßem Auge kaum sichtbar. Sein Gefieder hat die Farben der Nationalflagge von Kuba – rot, weiß, blau. Mit meinem Objektiv mit 300 mm Brennweite habe ich versucht, was möglich war. Bei voller Vergrößerung kann man den Vogel erkennen, wenn auch nicht sonderlich scharf. Fazit des Tages: Ein schöner Tag in den Bergen von Las Terrazas.

Naturschutz vs. nachhaltiger Forstwirtschaft

Abends diskutieren wir über die vielgepriesenen 22% der Fläche Kubas die unter Naturschutz stehen. In Deutschland sind es „nur“ 3,8%. Gut oder schlecht? Wir betreiben nachhaltige Forstwirtschaft und unsere Wälder verfügen über die entsprechende Infrastruktur. Wir verarbeiten Holz in großen Mengen und ein ganzer Industriezweig beschäftigt sich in Deutschland mit der Produktion aus Holz und rund ums Holz. Das schafft Arbeitsplätze und trägt zum BIP bei. So gesehen wäre es vielleicht besser, auch hier auf Kuba mehr Holzwirtschaft/Holzindustrie zuzulassen, als nur Gelder von der UNESCO anzunehmen und somit auf ausländische Hilfe angewiesen zu sein.

Es würde für Arbeitsplätze sorgen und Verwendungsmöglichkeiten gäbe es genug. Man könnte beispielsweise Türen aus Holz produzieren und bräuchte nicht, auch innerhalb der Häuser, Türen aus Blech einbauen, was einen nicht sonderlich wohnlichen Eindruck macht. Bis auf die Palettenroste, die aber nur ein Recyclingprodukt sind, werden viele Möbel aus Metall oder Plastik gefertigt. Holz wäre da in jedem Fall nachhaltiger und schöner.

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