Nur knapp 100 km Autobahn, die Mautgebühr hatten wir schon in Deutschland per Internet bezahlt, sind es vom Plattensee nach Budapest . Wir wollen die City erleben und haben deshalb ein kleines Hotel mitten in der Innenstadt gebucht. Das Navi führt uns direkt dort hin.  Das „Butik Design Buda Hotel“ befindet sich im 5. Stock eines Wohnhauses. Wir sind ein bisschen überrascht, aber als die Tür aufgeht, erwartet uns ein modern ausgebautes Dachgeschoss. Alle Zimmer sind nach Themen gestaltet und es gibt vom Kaffeehausambiente (samt Geruch!) über den Weinkeller bis zum Langoszimmer so ziemlich alles, was typisch ungarisch ist. Langosz ist ein typisches ungarisches Nationalgericht, wurde uns erklärt. Wir entscheiden uns für diesen Raum, nicht wegen des Essens, sondern weil er eine angenehme Größe hatte. Das Personal ist sehr hilfsbereit und auch für unseren Bulli findet sich in Laufweite ein geräumiges, wenn auch nicht billiges Parkhaus.



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Am Nachmittag erkunden wir zu Fuß ein bisschen die Stadt und sammeln erste Eindrücke. Die Sonne scheint und es ist ein wunderbarer, warmer Nachmittag. Wir trinken Kaffee und bummeln durch die Straßen, am Ufer der Donau entlang. Wir laufen über die berühmte Kettenbrücke, betrachten das Parlament und hoch über der Stadt locken die Burg und die Fischerbastei. Budapest – wir kommen.

Es gibt diverse Anbieter von Stadtrundfahrten. Allesamt sind sogenannte Hop-on Hop-off Busse. Man steigt ein und kann auf einer bestimmten Route von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fahren. Die Busse kommen alle 15 bis 20 Minuten. Wir kaufen uns für 3 Tage ein Ticket und weil es offensichtlich kurz vor Dienstschluss ist, bekommen wir einen Sonderpreis – naja, schauen wir mal, was dann wirklich von der Kreditkarte abgebucht wird. Erzählen können die Verkäufer ja viel. Wahrscheinlich ist es völlig egal, welchen Anbieter man wählt. An allen Stationen kommen die Busse nacheinander vorgefahren. Die Wartezeit ist vom Verkehr bestimmt, der großstadtüblich quirlig und hektisch ist. Stau mit viel stop and go. Im Bus gibt es Kopfhörer, mit denen man sich an jedem Platz einstöpseln kann. Eine freundliche Stimme in den verschiedensten Sprachen – auch in deutsch – erklärt die Stadt und Land auf unterhaltsame und informative Weise.

Am nächsten Morgen trinken wir auf dem Weg zur Haltestelle einen Americano mit einem Croissant und einem Bagel und wählen als erste Tour die Route zur Burg, der Mathiaskirche und der Fischerbastei. Wir sind überrascht wie sauber und gepflegt alles ist. Die Gebäude sind toprenoviert, kein Gerüst verunstaltet die Bauwerke und man kann nach Herzenslust fotografieren. Viele Menschen sind unterwegs, überall wird fotografiert – entweder Hochzeitspaare oder Modeshootings mit viel technischem Aufwand.  Es ist ja gerade nicht die typische Reisesaison, um nach Budapest zu fahren – aber da täuschen wir uns wohl. Man muss hier und da anstehen – aber alles noch so, dass es nicht wirklich lästig ist. Die Aussicht ist gigantisch und wir sind beeindruckt. Eine tolle Stadt die eine Reise wirklich wert ist.

Abends machen wir noch eine „Stadtrundfahrt bei Nacht“ – es ist alles wunderschön beleuchtet und es macht richtig Spaß, das alles anzusehen. Von dem ehemaligen Sozialismus ist nichts mehr zu sehen und zu spüren, ganz anders als in Albanien oder anderen ehemals sozialistischen Staaten wie Kuba.

Der nächste Tag geht gut an, der Himmel ist sehr bedeckt, aber zumindest regnet es nicht. Wir finden ein kleines Café wieder ganz in der Nähe, in dem wir ein Frühstück nehmen und dann geht es los mit der „Roten Route“.  Bei der Markthalle steigen wir aus und bummeln durch die riesige Halle. Alles ist appetitlich angerichtet und man bekommt richtig Lust einzukaufen. Ganz anders als auf vielen anderen ausländischen Märkten, bei denen sich einem manchmal der Magen umdreht, weil der Geruch schon so intensiv ist, dass nur ein Taschentuch hilft, um das Schlimmste zu verhindern. Im Obergeschoß gibt es diverse Imbissstände, die ungarische Spezialitäten anbieten. Wir bleiben am Langoszstand hängen, wurde uns dieser doch auch vom Hotel empfohlen, insbesondere im Hinblick auf das Thema unseres Zimmers. In dem ganzen Gedränge finden wir auch einen Platz an einem Stehtisch und lassen es uns schmecken.

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Weiter geht es zur Einkaufsstraße mit Gucci, Rolex, Max Mara und Konsorten. Was sein muss, muss ein. Aber bei den Preisen kann man standhaft bleiben! Auch wenn man alles durch 300 dividieren muss, um auf Euro zu kommen. Dann geht es weiter zum Heldenplatz.

Das Wetter wird ungemütlicher und so zieht es uns in die nächste Lokation. „New York Cafe Budapest“ – wir sind gespannt. Wir öffnen die Tür und wundern uns über die vielen Menschen die da im Foyer rumstehen. Wir gehen einfach weiter und merken erst später, dass man hier ansteht, damit man einen Platz zugewiesen bekommt. „Please wait to be seated!“- steht da irgendwo. Uups – das hatten wir nicht gedacht, nicht bei den Preisen. Wir hatten mit ehrfurchtsvoller Leere gerechnet. Aber schon stehen wir vor der jungen Frau, die über die Vergabe der Tische entscheidet. Nein, wir haben uns nicht vorgedrängt, wir hätten ja auch einen Tisch reserviert haben können …

Mit so viel Pomp, Glamour und Luxus haben wir unseren Nachmittagskaffee nur selten genommen. Die Getränke und der Kuchen sind lecker, die musikalische Begleitung ist life und sehr angenehm. Entsprechend des Ambientes fällt allerdings auch die Rechnung aus. Egal – es hat eben alles so seinen Preis. Wir haben aber auch noch nie mit soviel Fotografen unseren Kaffee getrunken. Wie viele Selfies dort wohl pro Tag gemacht werden?

Wir nutzen die Buskarte aus und bleiben gemütlich im Bus sitzen, genießen die Aussicht und lassen uns durch Budapest schaukeln.

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