Die Tagesetappe ist diesmal kurz und wir sind nach eineinhalb Stunden Geröllpiste in BüllsPort, einer der ältesten Farmen Namibias inmitten der Naukluft Berge. Hier werden Pferde und Kühe gezüchtet und Gäste beherbergt. Ein großes Gebiet umgibt die Farm und man kann dort vortrefflich wandern, radeln und reiten. Um zu längeren Wanderungen aufzubrechen, ist es uns zu heiß. Am Abend machen wir einen kleinen Spaziergang auf dem Kudutrail und beobachten die Natur in den Naukluft Bergen.

Dieses Tal war einst sehr fruchtbar und wasserreich, was den Standort für eine Viehzucht erklärt. Seit dreißig Jahren ist hier jedoch nur noch wenig Regen gefallen und in den letzten sieben Jahren fast gar keiner. Kein Gras wächst mehr und viele der einst großen Farmen mussten schließen oder sich zusätzlich eine andere Überlebensexistenz suchen. Daher auch der Gästebetrieb, der heute wohl offensichtlich den Erhalt der Farm sichert.

Wir können es uns nicht vorstellen was es bedeutet, jeden Tag um Regen zu beten und zu hoffen. Jede Wolke bedeutet einen Hoffnungsschimmer, aber die Enttäuschung ist groß wenn sie vorbei zieht und wieder kein Tröpfchen des kostbaren Wassers da lässt. Wo einst 600 Kühe und 40 Pferde einen ordentlichen Zuchtbetrieb darstellten, sind heute gerade mal 60 Kühe und 23 Pferde vorhanden. Dabei gibt es nicht mal 10 % des Regens von einst. Was muss das für ein Leben sein, wenn man, so lange man denken kann, immer nur auf Regen hofft. Ich erinnere mich an das Märchen der Regentrude, das mich als Kind schon sehr beeindruckt hat. Wenn es hier mal ordentlich regnet, wird zwischen den harten Büschen sofort Gras sprießen.

Nach alter Farmhaustradition, so heißt es jedenfalls in der Beschreibung, sitzen am Abend Gäste und Gastgeber an einem Tisch und unterhalten sich. Die Gespräche sind aufschlussreich und bringen einen kleinen Einblick in das Leben in Namibia. Die Farmer sind Johanna und Ernst und wie die Namen schon vermuten lassen, sprechen sie deutsch. Ihr Angestellter Lüder und die Hausfee Sunny sind auch dabei. Bis auf Sunny, die aus Zimbabwe kommt spricht man deutsch. Ein sehr nettes holländisches Pärchen checkte mit uns ein und wir haben den Abend über eine anregende Unterhaltung in einem hoffnungslosen Kauderwelsch aus deutsch, englisch und holländisch geführt. Ein sensationeller Sternenhimmel begleitete uns später in unsere Träume.

Am nächsten Morgen heißt es bald aufstehen – 7 Uhr Frühstück und dann geht’s los in die Köcherbaumschlucht. Köcherbäume gehören zu den Sukkulenten und sind eine Art Aloe. Ihren Namen haben sie von den Buschmännern bekommen, weil die aus den Ästen ihre Köcher für die Pfeile gemacht haben. Es sind sehr schöne Bäume, die in der Schlucht wegen des vorhandenen Wassers und der Abwesenheit von Frost überleben können. Im Winter kann es hier im Tal auch schon mal bis zu 10° Frost geben. Kaum vorstellbar, während uns jetzt der Schweiß runterläuft und man die Nähe einer Klimaanlage oder eines Ventilators sucht. Wir entscheiden uns für die kurze und bequeme Tour. Mit dem Jeep fahren wir von unten in die Schlucht und laufen dann etwa eine Stunde in Richtung des sogenannten Rietlochs. Ein großes Wasserloch, das von aus dem Felsen sprießenden Wasser gespeist wird und von Schilf – dem Riet – umgeben ist.

Es ist herrlich still. Natur pur. Wir hören Frösche quaken, sehen wie Adler hoch über uns ihre Kreise ziehen und beobachten Klippspringer, eine Gemsen-Antilopenart. Zu Beginn unserer Wanderung begegnet uns ein Zebra, welches wir am Abend auf dem Grill beim Barbeque wieder finden – oder einen seiner Kollegen. So genau will ich es dann auch nicht wissen. Denn – Zebra schmeckt gut! Viele der ehemaligen Farmer leben heute von der Jagd. Seit dem in Namibia das Wild gejagt werden darf, hat sich der Bestand um ein vielfaches erhöht.

Das fanden wir gut:

 

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